Begegnungen zum Nachempfinden

Anfangs – Sommer – Libanon

Im August in Tarablus, Nord Libanon, herrschte ein spezielle Stimmung. Das Spannungsgeladene und die vielen Ambivalenzen kannte ich schon von meinen vorigen Besuchen. Aber es war diesmal doch irgendwie anders, intensiver, noch verstörender für eine Außenstehende. Ich empfand die Frustration der Menschen und ihres Kampfes um Anliegen, die für uns völlig selbstverständlich sind, noch stärker, teilweise aggressiver und teilweise melancholischer ausgedrückt.

Während dieses Aufenthaltes hatte ich mein erstes Talente Gespräch mit einer jungen Frau aus Tarablus. Safa hat mir so viele Geschichten aus ihrem ereignisreichen Leben erzählt, dass ich das Gefühl hatte, ich sollte sie festhalten und in irgendeiner Form weitergeben. Also habe ich unsere Arabischen Gespräche niedergeschrieben und von ihr korrigieren lassen, damit sicher gestellt ist, dass ich auch wirklich alles verstanden habe. Denn neben der Sprache, ging es auch um kulturelle Feinheiten, die leicht missverstanden werden können.

Safa war für mich eine außergewöhnliche junge Frau, wie man sie nicht so oft trifft. Aus sehr einfachen Verhältnissen stammend, schien sie zunächst nicht schulgeeignet und musste mehrfach Schule wechseln, bis eine Lehrerin entdeckte, dass Safa in Wirklichkeit hoch begabt war. Sie wäre längst im, damals noch mit viel Gewalt versehenen, Schulsystem versickert, hätte nicht ihre Mutter an sie geglaubt. Das hat sie an die Universität gebracht und heute ist sie nicht nur Lehrerin, sondern auch eine Aktivistin. Safa setzt sich für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse in Tarablus genauso ein, wie für mehr Demokratie im korrupten politischen System wie auch für junge Mädchen in der Schule und für Frauen im öffentlichen Leben.

Begegnungen zugänglich machen

Durch ihre Geschichten habe ich sehr viel über das gesellschaftliche Zusammenleben von Sunniten, Shiiten und Christen im Norden gelernt und wie die politische Klasse die Bevölkerung manipuliert, um ihre Ziele zu erreichen; sogar um den Preis eines Krieges, der 2015 vom Zaun gebrochen wurde. Safa’s Kraft und ihr Wille zu lernen und an Veränderungen mitzuwirken sind für mich beeindruckend. Dabei hat sie auch noch viel Humor und erzählt ihre Geschichten immer mit einem Augenzwinkern. Selbst die Geschichte, als sie mit ihrem Baby am Nebensitz ihres Autos kurz vor ihrem Haus auf einmal unter Beschuss geriet, weil Krieg ausgebrochen war, und sie diese Nacht im dunklen Haus zwischen den Fronten ausharren musste. Oder die Geschichte, als sie im Goldsouk von Tarablus aufräumte, indem sie der Administration nachwies, dass die Rechnung nicht korrekt kalkuliert wurde. Hinter die Kulissen zu schauen und die Hintergründe zu verstehen, macht ihr besonders viel Spaß. Und Safa kann daraus sogar Geschäftsmöglichkeiten entwickeln.

Ich musste Safa erst davon überzeugen, dass sie ein Talent ist, dass sie besondere Begabungen hat, die für andere interessant sein können. Ich habe so viel von ihr gelernt, das wollte ich auch anderen eröffnen. Hier ihr englisch sprachiges talent portrait.

Erste Ergebnisse der Safa Talent Journey

Am Ende meines Aufenthalts im Sommer hatte ich das Gefühl, zurück kehren zu müssen und meine Safa Talent Journey im Libanon zu starten. Das war nicht geplant, nicht rational erklärbar, sondern einfach ein starkes Gefühl beim Abschied. Also kam ich drei Wochen später wieder, um meine Gespräche aufzunehmen und weiter zu führen. Ich war etwas überwältigt, wie viele interessante Menschen ich in kurzer Zeit getroffen habe; und mit vielen von ihnen wollte ich einen podcast zum Thema Brücken bauen oder Frauenleben oder ein Talente Portrait machen. Eine Woche nach meiner Ankunft starteten die Proteste und das öffentliche Leben kam zum erliegen. Seit dem hoffe ich mit den vielen Menschen, dass sich etwas zum Besseren verändern wird. Einige Gespräche haben trotz der Umstände statt gefunden, für andere war nicht die richtige Zeit und Energie. Trotzdem waren am Ende drei Interviews als Podcasts und zwei Talente Portraits fertig.

Die Begegnungen und Gespräche mit Batoul, Sabine, Iman und Joanne waren für mich sehr erfüllend und ich war so beeindruckt, wie viel meine GesprächspartnerInnen von sich preis geben und bereit sind, mit uns zu teilen. Sie ermutigten mich, die Safa Talent Journey weiter zu führen. Aufgrund der Umstände im Libanon bin ich derzeit auf Kurzbesuch in Tunis und werde mich dann für längere Zeit im Oman und am Golf aufhalten. Dort finde ich ganz andere Lebensumstände und ich freue mich sehr auf die neuen Perspektiven und arabischen Wirklichkeiten. Dann wieder zum Nachlesen und Nachhören.

SafaTalents und Safa East Venture

Es gibt in diesem Blog ab jetzt im Menü einen link zu safatalents.org, dort werden regelmäßig die neuen Artikel und Podcasts veröffentlicht und du kannst sie dort auch abonnieren. East Venture wird weiterhin mein persönlicher Blog bleiben. Safatalents verfolgt auch sprachlich eine eigene Zielsetzung, mit einem Kulturverein dahinter und Projekten, die sich daraus entwickeln.

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