Verirrtes Leben in der Dasht-e Lut

Kamelspuren im Sand

Spuren wilder Kamele

Vermeintlich ist die Dasht-e Lut eine leblose Salzwüste. Unsere iranischen Begleiter bestätigen, dass die Menschen in Iran genau das noch immer glauben und sie daher außer Acht lassen. In der Vergangenheit zogen Karawanen durch diese Wüste, meist auf ihrem Weg von Afghanistan oder Belutschistan im heutigen Pakistan nach Persien und weiter in den Westen. Das weite Gebiet der Sanddünen wurde dabei gänzlich umgangen, da es für Menschen und Kamele mit den Lasten schwer begehbar war und das wenige Wasser salzig ist. Trotzdem gibt es Leben in jedem Abschnitt der Wüste.

In den Sandmeeren gibt es verdorrtes niedriges Gras und Büsche, die grün werden, sobald Regen fällt. Das ist Futter für die Kamele, die an den Rändern der Sanddünen auch wild leben. Wir haben Kamele und Raben gesehen, Spuren von Mäusen und Schlangen, berichtet werden auch Skorpione. Interessant wurde es in den Kaluts, denn dort, in den magischen Steintälern mit ihren sandigen Verwehungen, gibt es keine äußeren Spuren von Pflanzen. In der Nacht, am Lagerfeuer haben wir trotzdem einen Wüstenfuchs dabei beobachtet, wie er um unsere Zelte schlich. Wir haben Skelette von Vögeln gefunden und es wird erzählt, dass sich die Wüstenfüchse von Zugvögeln ernähren, die sich verirren oder ausruhen wollen. Aufgrund des fehlenden Wassers werden sie zu einer leichten Beute. Dazu kommen noch Schlangen, Mäuse und Insekten. WissenschafterInnen sind gerade dabei, Flora und Fauna in der Dasht-e Lut zu untersuchen, bald werden sie ihre neuen Erkenntnisse veröffentlichen.

Karawane der Vergessenen

Babak hat sie entdeckt, die Überreste einer Karawane, mitten in den Kaluts. Die Stücke lagen verstreut, aber nahe beinander, sie waren gut sichtbar, hochwertig und über die vielen Jahre sehr gut erhalten. Ein Stoffmantel aus Jute, Socken, schöne gewebte Tücher, Sattelzeug von Kamelen, Tongefäße, von denen manche noch das restliche Pulver von Gewürzen oder Speisen enthielten. Es mutet eigenartig an, an so einem leblosen Ort vor langer Zeit hingeworfene Insignien menschlichen Lebens zu finden. Ist da nie jemand vorbei gekommen bzw. warum sind sie nie zurückgekehrt, um sich die Sachen zu holen? Sind sie gestorben, überfallen worden, haben sie sich verirrt und mussten alles abwerfen, was sie entbehren konnten, um schnell hinaus zu kommen aus dieser Wüste?

Wenn man nicht als Archäologe, dessen Handwerk es ist, derartige Stücke zu kategorisieren und zu analysieren, auf solch einen Fund stößt, ist das zunächst einmal umwerfend interessant. Gleichzeitig löst es eine Mischung aus Demut und Respekt vor dem Verblichenen und dessen unbekannten Ursachen aus. Ohne zu wissen, was eigentlich passiert ist, sind diese Stücke aufgeladen mit möglichen letzten Emotionen wie Angst, Panik, Bedrohung, Erschöpfung, Ohnmacht, Wut. Diese möchte man sich nicht einfach so aneignen.

Wasserkessel am offenen Feuer in der NachtBeim Lagerfeuer denken wir uns eine Geschichte für sie aus: Eine reiche Familie auf dem Weg von Afghanistan nach Persien ist vom Weg abgekommen. Sie stiegen ab, setzten sich zu einer Shisha zusammen und besprachen die Lage, dabei wurden sie überrascht, vielleicht ein Sandsturm ……. sie konnten mit ihren Kamelen entkommen, hatten das Wichtigste bei sich und sind – ohne Blick zurück – weiter gezogen.

 

Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2 von Magnitude meets Multitude in der Dasht-e Lut.

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Rasen Marcus
22. Januar 2018 13:32

Karawane der Vergessenen, so einfühlsam geschrieben. Mit viel Respekt und auch Demut, habe ich diese Ausgrabungen fotografiert. Auch mir kreisten die Gedanken im Kopf, wie es dazu kam, alles so zu verlassen. Verirrt, Wasserknappheit, oder gar Überfall. Ich hätte mir Archäologen gewünscht, die liebevoller damit umgegangen wären. Nochmals Danke für die wunderbaren Zeilen aller 3 Teile.

    Danke dir vielmals für deine wertschätzende Rückmeldung zu den Artikeln. Ich habe lange überlegt, ob ich über die Karawane und ihre Überreste überhaupt schreiben soll, aber dann dachte ich, auf diese Weise kann es auch verbindend sein. Du hast die Photos ja auch mit dem Herzen gemacht. Und das spürt man, was auch immer sonst noch dabei war.

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