200.000 Quadratkilometer, die Fläche von Österreich, der Schweiz und Bayern. Eine Salzwüste entstanden aus einem ehemaligen Binnenmeer. Die Dasht-e Lut oder Leere Ebene besticht durch ihre Vielfältigkeit, die sie über eine immense regionale Ausbreitung entfaltet. Von imaginären Mond- und Marslandschaften über Kleinst- und Megadünen durchsetzt von gewaltigen Gesteins- und Lehmformationen, die Dasht-e Lut bietet all das und noch viel mehr. Viel davon durfte ich bestaunen und ziehe meinen Hut, Schleier und Turban.

Reliefkarte von Iran

Reliefkarte von Iran

Zu Fuß und mit Rädern

Zunächst sind wir von Teheran nach Birjand geflogen, eine unaufregende Stadt im Osten, nahe der afghanischen Grenze. Dort haben wir das Betreuungsteam kennengelernt. Fünf Iraner, alle erfahrene Wüstenfüchse, haben uns mit ihren Autos begleitet und streckenweise durch die Lut geführt. Bald nachdem wir Birjand verlassen hatten, gab es keine nennenswerten Ansiedelungen mehr, aber es existieren Verbindungsstraßen Richtung Süden, entlang der Grenze. Die Leere hatte sich bereits eröffnet. Dann kamen wir durch dunkle Steinberge, die sich wie eine Mondlandschaft von der Umgebung abhoben und den Übergang zur sandigen Ebene bildeten.

 

Hardships

Am Beginn der Dünen schlugen wir unser erstes Nachtcamp auf. Nachdem es bereits um 16:30 dunkel wurde, mussten wir rasch unsere Zelte und die Versorgung aufbauen. Sobald die Sonne verschwunden war, wurde es eiskalt, dazu kam starker Wind, der uns bald vom wärmenden Lagerfeuer in die Zelte trieb. Wenn man drinnen liegt, ist die Gefahr geringer, dass das Zelt davonfliegt. Diese Nacht hat uns die rauen Seiten der Dasht-e Lut spüren lassen. Minus 10 Grad Celsius haben mich keine Minute schlafen lassen, dazu kam der Wind, der am Zelt rüttelte. Gegen 2 Uhr früh begann sich auf einmal die Erde unter mir zu bewegen. In sanften starken Wellen und für einige Sekunden war das Erdbeben, das in der Wüstenstadt Kerman mit 6,2 nach Richter bemessen wurde, aktiv. Bereits um 5 Uhr früh standen wir auf, es war noch finster und meine Finger blieben an den metallenen Zeltstangen haften. Das war der Moment, als ich mich kurz fragte, was in aller Welt mich hierhertrieb, aber wenige Zeit später, als wir gegen Sonnenaufgang loszogen, wusste ich es wieder. Die Weite, die Stille, die unberührte Natur haben mich die erste Stunde vorweg laufen lassen, damit ich sie ganz alleine für mich aufnehmen konnte. Ich war wie berauscht. Nach und nach wurden die kleinen Dünen größer und der Bewuchs änderte sich. Zwischendurch trafen wir hier noch auf Kamele, aber für die nächsten zehn Tage begegneten wir keinen Menschen, nur lange verblichenen Spuren.

Jeden Tag gelang es besser, uns an die klimatischen Extreme anzupassen und wir legten täglich eine Strecke von etwa 25 km und 800-1000 Höhenmetern zurück. Am zweiten Abend konnten wir zunächst keine Verbindung zu unserem Team aufbauen, dann hörten wir über Funk, dass zwei Autos stecken geblieben waren. Wir hatten nicht viel Zeit bis zur Dunkelheit, dann wäre ein Treffen schwierig geworden. Wir vereinbarten die Richtung, liefen möglichst nahe an ein Dünental und teilten uns in zwei Gruppen. Die eine blieb auf der Dünenspitze um die Autos zu sichten, die andere Gruppe stieg ab und suchte Brennholz. Wir zogen alles an, was wir bei uns hatten und harrten der Dinge. Die Aussicht, bei Minustemperaturen ohne Zelt, Feuer und Essen zu übernachten, war wenig anheimelnd. Endlich, kurz nach Sonnenuntergang, erkannten wir Lichter in der Ferne und begannen mit unseren Lampen Signale zu geben. Wir rannten mehr oder weniger ins Tal, bevor die Dunkelheit das Gehen im Sand zu einer Tour de Force hätte werden lassen.

 

Im Dünenmekka der Megadünen

In den nächsten Tagen gelangten wir von den mittelhohen Dünen zu den Megadünen, die wie Bergmassive 400 Meter vor uns aufragten. An dieser Stelle mussten wir erkennen, dass wir auf dieser Reise die Sanddünen und die folgenden Kaluts nicht in der zur Verfügung stehenden Zeit zu Fuß bewältigen konnten. Den Aufstieg auf eine der Megadünen legten wir auf 6 Uhr früh, um ausreichend Kraft und Energie zur Verfügung zu haben. Ich musste bereits am Tag davor meine Schuhe gegen Sandalen eintauschen, da meine Zehen vollzählig vorhanden aber in einem bemitleidenswerten Zustand waren. Glücklicherweise gibt es vorausdenkende Wandersgenossen und -genossinnen, und ich konnte mir Sandalen ausborgen, die mit dicken Socken für gute Bodenhaftung sorgten. Stylesicher kam ich damit letztlich auf alle Dünen. Die Besteigung der Megadüne mit ihren 375 Metern in Sandalen schien zunächst zwar wenig erfolgversprechend, umso beglückender der Gipfelsieg. Der motivatorische Anschub durch die in Aussicht gestellten Haribo-Lamas ist nicht zu unterschätzen.

 

Hier geht es zu Teil 2 von Magnitude meets Multitude und Teil 3 Die Wüste lebt

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