Lateiner des Orient

Dieser Artikel von Qantara beschreibt aktuell, wie im Golf die Sprachkompetenz des Arabischen immer mehr zurück geht. Das gilt aus meiner Sicht nicht nur für den Golf. In allen Ländern, in denen ich arabisch lernen durfte, habe ich ähnliche Beobachtungen gemacht. Hier meine Gedanken zu den Unmöglichkeiten des Arabischen in der modernen Zeit nach Erringen meines ersten Zeugnisses:

Ich habe die Abschluss-Examen an der Jordan University bewältigt und bin nach 2-monatigem Sprachstudium nun Besitzerin eines Zertifikates über die erfolgreiche Absolvierung von Level 1 Arabisch. Für mich ist das eine Errungenschaft, auf die ich durchaus stolz bin. Kann ich deswegen Arabisch? Natürlich nicht!

Gnädiger Herr, hätten Sie die Güte ….

Dazu eine kleine Ausführung: Die Arabische Sprache im Sinne des Standard-Arabisch ist die Grundlage aller gesprochenen arabischen Sprachen in den 22 Ländern der arabischen Welt. Es ist die Schriftsprache, die in dieser Form allerdings in keinem Land alltäglich gesprochen wird. Man könnte auch sagen, es ist die Gelehrtensprache, die Sprache des Koran, die für Eingeweihte blumig und altertümlich klingt. Wenn ich mir also mit meinen mühsam erworbenen Kenntnissen einige Sätze abringe, sind die Reaktionen der Bevölkerung zwischen belustigt und ungläubig, dass da jemand in Shakespear’scher Manier versucht, mit ihnen zu konversieren.

Mein besonderes Vergnügen ist, die bereits beschriebenen Taxifahrer auf diese Weise zu beglücken. Es muss so ähnlich klingen wie: „Gnädiger Herr, hätten Sie die Güte mich mit Ihrem Gefährt auf den Weg zu bringen ….“ Deswegen habe ich parallel begonnen, ein paar Worte in Amieh, der Dialekt-Sprache der Region rund um Syrien, Palästina und Jordanien zu lernen. Man könnte es auch so beschreiben, dass ich in Italien bin und Latein lerne. Durchaus verwandt aber doch ganz anders. Dazu kommt noch, dass Standard-Arabisch, ähnlich wie Latein, unendlich kompliziert aufgebaut ist, weswegen es ja kaum jemand spricht. Um einen Satz zu formulieren, muss ich alleine für die Bildung des Verb 19 Konjugationen geistig durchspielen, da im Standard-Arabisch nicht nur zwischen Geschlechtern, Singular und Plural, sondern auch zwischen 2 und mehreren unterschieden wird. Dazu kommen noch die unterschiedlichen Zeiten wie bei uns im Deutschen. Und das ist nur ein Beispiel von mehreren Verkomplizierungen, die dazu führen, dass ich mehr denke als spreche. Mein Arabischlehrer findet, dass das bei mir sehr lustig aussieht. Er kann an meinem Gesicht und der Tiefe meiner Stirnfalte bereits ablesen, wo ich hängen geblieben bin.

Nur 15.000 – 18.000 neue arabische Bücher jährlich *

Viele AraberInnen haben inzwischen Schwierigkeiten, die Grammatik von Standard-Arabisch richtig anzuwenden. Das ist einer der Gründe, warum AraberInnen so wenig Gedrucktes lesen. Das sehe ich als Problem, weil es dazu führt, dass zu wenig Wissen über die eigene Kultur ebenso wie fremde Kulturen und Geschichte vorhanden ist. Intellektuelle Auseinandersetzungen werden dadurch erschwert. Aber soweit bin ich noch nicht. Ich beschränke mich derzeit noch darauf, in der Sprache des Seneca (leider ohne dessen Inhalte) auf Taxifahrer und Händler einzureden und Antworten auf Italienisch im schlimmsten sizilianischen Dialekt zurück zu bekommen. Eine interessante sprachliche Pattstellung, aber ich bin auch in China auf den Berg gekommen.

* Die vernachlässigte Sprache aus Qantara.de
Mein Blog Beitrag über meine schwierigen Anfänge des Arabisch Lernens

Der Beitrag über die Fortsetzung meines Arabisch Lernens wird aus gutem Grund geheim gehalten. Ich weiß zu wenig, um die Sprache zu beherrschen aber ausreichend, um sie in all ihrer Schönheit und philosophischen Kraft zu bewundern. Ein Playdoyer über die Arabische Hochsprache und die Bedeutung ihres Erwerbes – Ff.

 

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